Wer waren die Sarmaten?

Indoeuropäische Wurzeln

Das Volk der Sarmaten tauchte in den Jahrhunderten kurz   v o r   der Zeitwende im Gebiet nördlich des Kaukasus und des Schwarzen Meeres auf, aus Innerasien kommend. Es überlagerte die ethnisch, sprachlich und kulturell verwandten Skythen, die vorher dort gelebt hatten (→ Karte Lebensräume und Ausbreitung der Sarmaten, grüne Farbe). Beide Völker waren Verwandte der alten Perser und Inder, auch sprachlich, aus uralter indoeuropäischer Wurzel, genau wie Germanen, Kelten und Römer. Deren Vorfahren waren nur viel früher aus dem Osten nach Europa gekommen. Die alten Griechen nannten das gesamte Gebiet Osteuropas Skythia, die Römer Sarmatia, aber man hat beide Völker bis in die Neuzeit hinein oft verwechselt.

Ein Reitervolk, aber anders als die Hunnen

Die Sarmaten waren wie ihre Vorfahren ein Reitervolk, das aber nicht plünderte und raubte, wie Hunnen, Awaren und später Ungarn, sondern Vieh züchtete und mit den Bauern in ihren Weidegegenden friedlich zusammen arbeitete, weil der Austausch ihrer Erzeugnisse für  b e i d e  Seiten nützlich war. Sie haben nie eine Schrift gekannt, daher auch keine geschriebene Literatur, und auch keine Baukunst. Sie waren ein schlichtes, aber keineswegs primitives Volk, auf einer viel niedrigeren Entwicklungsstufe ihrer Wirtschaft als es etwa Römer und Griechen waren. Das machte sie uninteressant sowohl für die damalige Geschichtsschreibung wie für die moderne Forschung, zumal sie eben normalerweise recht friedlich lebten und keine erwähnenswerten Untaten verübten. Dennoch kann man ihre Frühgeschichte, ihre Gesellschaft, Religion und Lebensweise recht gut aus archäologischen Funden und Bräuchen späterer Völker erschließen.

Man darf sich diese Sarmaten wie die Cowboys im Wilden Westen Amerikas im 19. Jahrhundert vorstellen: erfahrene Rinder-, Schafs- und Pferdehirten, abgehärtet durch das Leben auf dem Sattel und im Freien, auch schnell mit der Waffe zur Hand und tapfer  und kriegstüchtig, wenn ihre Herden oder ihr Lebensraum bedroht war, aber keine blindwütigen Räuber und Mörder. Auch „Pferdenomaden“ waren sie nicht.  Die Hunnen hatten einen völlig anderen ethnischen und kulturellen Hintergrund.

Religion und Gesellschaft

Die Religion der Sarmaten war wohl ursprünglich geprägt vom Feuerkult der alten nordiranischen Gruppen in Mittelasien, woher sie ja kamen. In ihrer Gesellschaftsordnung kannten sie eine Teilung in zwei Bevölkerungsklassen, zwischen denen ein striktes Heiratsverbot bestand. Das Kastenwesen Indiens, von den ethnisch verwandten „arischen“ Indern eingeführt, ist eine modernere Variante davon.

Doch die beiden Volksklassen wurden bei den Sarmaten durch sogenannte Schwurgemeinschaften wieder zu festen Einheiten zusammengeschweißt. Jedem Adligen aus der höheren Klasse hatten mehrere Familien aus der Unterklasse, wahrscheinlich Bauern, Handwerker und andere „Abhängige“, aber keine Sklaven, lebenslange Treue und Gefolgschaft geschworen. Der Gefolgschaftsherr war für das Wohlergehen seiner Klienten aus der unteren Klasse verantwortlich und nahm diese Aufgabe im allgemeinen sehr ernst.

Anklänge an diese bemerkenswerte Einstellung hatte es auch im alten Rom – ebenfalls von Indoeuropäern gegründet – gegeben, doch war sie im Laufe der römischen Kaiserzeit verloren gegangen. Auch die Germanen und die Kelten kannten ein ähnliches Gefolgschaftswesen.